29 Juli 2008
Ay! … Sommer… und Flamenco…
Eintrag von Matthias unter: Alltag + Anekdoten; Matthias (ES); Musik; Photo + Video .
Okies,
jetzt ist wirklich Sommer hier, 40 Grad mittags (+ viel zuviele Touristen mit runtergezogenen Mundwinkeln, es verwundert mich nicht, dass die Ferienzeit mit den höchsten Scheidungsraten einhergeht…
), unser Fest (der Dorfheilige San Telmo) ist unterwegs, und, der Flamenco rockt nachts, bei 25 Grad, wenn man nicht schlafen kann… Aber, wer will schon nachts schlafen, Siesta so um 15:00 Uhr hilft deutlich weiter…
!
Ahhh… Flamenco!
Neben dem Blues, die letzte authentische, lebendige Volksmusik die wir hier in Europa als Massenware konsumieren können, Internet hin oder her…
Deutsche Volksmusik? Tot seit 200 jahren. Französisch? Italienisch? Dasselbe (vielleicht ein wenig unterschiedlich was die Bretonen angeht), und die angelsächsische ist zwar present, aber schon lange nicht mehr innovativ (The Wild Rover, AGAIN!!!), tot also.
Flamenco erfindet sich jeden Tag und jeden Monat neu, Junge machen das genauso wie Alte:
Wenn Du hier in Andratx (grosse andalusiche Kolonie, alle aus Jerez oder Jaen) abends unterwegs bist, dann kommt plötzlich, erschreckend impulsiv, aus dem Nichts, ganz plötzlich Flamenco auf, nicht der von Gipsy Kings, sondern der der Leute, sei es Jazz, sei es Rock, sei es klassisch (in Andratx die Mehrheit), er entsteht, ohne Musikbox, ohne Anlage, einfach so, aus dem Gespräch.
Wer nie Carlos Sauras (alle mit Antonio Gades und Cristina Hoyos in den Hauptrollen) “(Klick:) Liebe, der Zauberer“, “(Klick:) Bluthochzeit” oder “Carmen” (der beste der drei Filme, siehe “(Klick:) Das Duell” oder der “(Klick:) Zickenkrieg“) gesehen hat, wird vielleicht nicht verstehen, wovon ich rede, Realität wird zu Flamenco (und umgedreht), und der, der es erlebt, wird eingesponnen in ein emotionales, musikalisches, intellektuelles Netz ohne Entrinnen: Eben stehtst Du noch unbeteiligt in der Ecke, und eine Minute später läufts Dir kalt und heiss den Rücken rauf und runter, die Haare stehen Dir zu berge, und Du stellst plötzlich fest, dass Du heulst… Flamenco…!
Flamenco ist, ausdrücklich, nicht nur Musik: Es ist eine Gesamtkunst, gewachsen aus arabischen (der Ursprung, wie so vieles hier in Spaniene, 800 Jahre), indianischen (La Conquista, 500 Jahre), zigeunerischen und iberischen und baskischen Einflüssen, und es schliesst Tanz (alle spanischen Tänze: Fandango, (K:) Pasodoble, Bolero, (K:) Tango, etc, auch (K:) klassisches Balett Schiete: Das Video wurde gelöscht…), (Bühnen)bilder, (K:) Gesang (die Gitarre wie Paco 30 Jahre früher: Ramón de Algeciras ) und virtuose Instrumentenbeherrschung ein, man muss es live erleben um den tieferen (emotional/philosophischen) Sinn zu verstehen, glaube ich.
Der Flamenco hat, mit seiner unterschwelligen Perfektionssucht, was Japanisches:
Die Texte, wenn sie denn gut sind, sind wahre oder tatsächliche (K:) Poesie (der bekannteste Gedichtvertoner ausser Camerón wird wohl Enrique Morente sein, wenn man sein Gesicht anschaut beim Singen kann man die Poesie fast *sehen*… und das war sogar in den ´70ern so…). Gedichte, die allein stehen können und triumphieren;
mindestens ein Instrument (und, nein, es ist nicht immer die Gitarre: (K:) Violine oder (K:) Klavier (Aah! Orobroy von Dorantes! Pferde, Stiere, Natur, das Animalische - “veredelt” , oder das “Edle” suchend - ist immer ein Thema im Flamenco und zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche, die Flamenco berührt: Der Mann als Beherrscher, der es aber nicht sein kann ohne das Beherrschte, das eigentlich überlegen ist… Yin und Yang) oder ein (K:) Blasinstrument könnens auch sein) wird von einem “Maestro” gespielt, d.h. ist perfekt in jedem Aspekt zwischen Technik und Intonation;
bei den Tänzern hat jeder Gesichtsausdruck, jede kleine Bewegung oder Fingerhaltung, etc. , etwas zu sagen;
der oder die Sänger - versunken in Vierteltönen: Arabien! - dirigieren die Performance, lenken und verbinden. Das ganze ist ein Teamwork und ein Gesamtkunstwerk. Und, (K: ) wenn dann noch Pferde dazu kommen, die im Rhytmus, wohl gezügelt aber nur durch Schenkeldruck zum Lied tanzen, spätestens dann versteht jeder, warum Flamenco lebt und nicht totzukriegen ist.
Aber, vor allem ist Flamenco ein Energietransfer von einem zum anderen Aktiven, wie im Jazz, und - zumindest live - auch zum Zuhörer/-schauer.
Na ja,. nachdem ich mich jetzt so darüber ausgelassen habe, noch schnell vier Beispiele für den modernen, indy-igen, rockigen und fusion-igen Flamenco:
One Comment bisher...
Matthias schreibt:
9 Dezember 2008 at 18:32 CET.
Hier eine interessante Betrachtung über “klassischen” und “modernen” Flamenco, ich habs mir bestellt, werde es rezensieren, wenn es hier ist.
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