7 September 2008
Die Sehnsucht des Kulturmenschen…
Eintrag von Matthias unter: Alltag + Anekdoten; Matthias (ES); Photo + Video; Tiere .
… nach dem verlorenen Paradies ist, laut Konrad Lorenz, das Grundmotiv für den Wunsch, Tiere zu halten.
Nun kommt man ja näher ans Paradies als da wo ich wohne nur durch die Erde, aber trotzdem habe ich einen Haufen Biester, und da sie einen großen Platz in meinem Leben einnehmen und ein ständiger Quell der Freunde und der Übung in Verantwortlichkeit sind, wird es mal Zeit ihnen (und Tieren im Allgemeinen) einen eigenen Beitrag zu widmen.
Da sind also zunächst mal drei Hunde:
- Esquit, dreizehn Jahre alter Cocker, der Joana gehört, lebt jetzt überwiegend bei Joana in Palma und ist nur noch ab und zu hier, wenn sie mal irgendwas erledigen muss, wobei er nicht mitkommen kann.
- Dann haben wir Pocholo, einen 4 Jahre alten Terrier, er wurde vor drei Jahren mit einem Ziegelstein um den Hals ins Meer geworfen und ich habe ihn wieder rausgezogen. Während mehrerer fruchtloser Versuche, einen neuen Eigentümer für ihn zu finden, ist er mir mit der Zeit so ans Herz gewachsen, dass ich dann irgendwann einfach beschlossen habe, ihn zu behalten.
Er ist total auf mich fixiert und gehorcht absolut, das war am Anfang gar nicht so. Er rannte allen Motorrädern hinterher, attackierte kleine Kinder und war ziemlich durch den Wind. Das hat sich alles gegeben, jetzt liebt er Kinder und andere Hunde, ist friedlich und glücklich, aber ich kann ihn nicht mal alleine zuhause lassen, daher begleitet er mich täglich auch auf die Arbeit. Sein Leben dreht sich im Wesentlichen um Bälle, Steine und andere Dinge, die man werfen und zurückbringen kann. Er ist total schlau, wenn Du ihm einmal was zeigst, hat er es meistens sofort kapiert und kann es auf Kommando abrufen. Hätte ich nur ihn, wäre er wohl der ideale Agility Hund. Er ist, wie wohl alle Terrier, unglaublich mutig draussen, nur vor Knallen hat er eine unverständliche und panische Angst.
Hier auf diesem Bild sitzen die beiden mit ihrem typischen, aufmerksamen Blick, und warten, was ich wohl von ihnen will…
- Seit kurzem ist nun noch ein Cocker dazu gekommen, Locke, knapp 2 Jahre alt.
Er war eines Tages im September 2007 einfach da: Jemand hatte ihn bei mir zuhause abgeliefert, mit einem Sack Futter und einem Zettel auf Spanisch: “Das ist Zen. Er ist noch ein Welpe. Behalt Ihn, verschenk ihn, oder bring ihn um”… Der- oder diejenige wird wohl gedacht haben, wo schon ein Cocker ist, kann ein zweiter auch noch hin… Ein traumhaft schönes Tier mit einer sehr lustigen Frisur, einem blonden Haarbusch mitten auf dem Kopf.
Na ja, zunächst hatte ich sehr schnell einen neuen Eigner für ihn gefunden, ein Mann dessen Hund kurz vorher verstorben war, und so verschwand er erstmal aus meinem Gesichtsfeld. Das nächste Mal sah ich ihn dann ca. 4 Wochen später mit mir völlig fremden Leuten, geführt an einem Strick, hier auf der Fußgängerzone. Auf Nachfrage erzählten mir diese dann, dass der Hund seit Wochen auf einem Feld neben ihrem Haus an einem Baum angebunden sei, und dass sie ihn aus Mitleid ab und zu ausführten.
Ich war natürlich sauer und wollte mit dem neuen Eigentümer reden, aber es kam gar nicht mehr dazu: Er hatte wohl davon gehört, jedenfalls war der Hund 2 Tage später wieder mit einem Sack Futter bei mir zu Hause.
Dann erzählte mir einer der Söhne Joanas, dass ein Freund einen Hund fürs Haus suchte, und der kam dann auch und holte ihn ab - aber brachte ihn mir drei Tage später wieder: Er hatte seine Hausschuhe, ein Sofa und noch ein paar Kleinigkeiten zerlegt…
Weitere Eigentümersuche gestaltete sich schwierig, so dass er langsam zu einem Teil der Familie wurde und ich schon überlegte, ob ich ihn nicht doch behalten wollte, da verschwand er am 20. Dezember einfach auf einem Spaziergang. Ich habe alles abgesucht, einige Tage und Wochen, aber mich dann irgendwann damit abgefunden, dass ihn wohl jemand geklaut hatte (er ist super freundlich und steigt, z.B. in jedes Auto ein, bei dem man ihm die Tür aufhält).
Am 15. März dann erreichte mich ein Anruf meiner Tierärztin, dass ein Cocker mit einer blonden Locke auf dem Kopf in Llucmajor (ca. 60 km von hier) auf der Strasse aufgegriffen worden sei, und als ich hinfuhr, war er es tatsächlich…
Da war er nun also das vierte Mal bei mir angekommen, und da Esquit überwiegend in Palma war sagte ich mir, dass wohl das Schicksal mir diesen Hund zugewiesen hatte und beschloss, ihn zu behalten.
Am Anfang war es fürchterlich, er hatte absolut keine Erziehung genossen, zerlegte alles was ihm ins Maul kam (sogar mein Auto innen), killte mir gleich mal 6 Hühner auf einen Schlag und gehorchte überhaupt nicht, nahm nicht mal Augenkontakt auf. Ich änderte den Namen auf “Locke” (Zen war einfach nicht prägnant genug und klang auch wie “Ven” = “Komm”) und kaufte eine Luftpistole mit Plastikkugeln, um ihm zu zeigen, dass ich auch auf Distanz Einfluss nehmen konnte, und heute ist er mittlerweile folgsam und insgesamt auf dem richtigen Weg. Die Pistole brauch ich nicht mehr, er gehorcht und hat sich insgesamt sehr beruhigt.
Er ist unglaublich intelligent (im Unterschied zu Pocholos Schläue), was es nicht eben leichter macht ihn zu erziehen, da er sich immer was neues einfallen lässt: Er hat sich sogar beigebracht, auf einen Baum zu klettern, weil er von da dann über den Zaun nach draußen springen kann…
Locke ist absolut wassergeil und springt - auch ohne besonderen Grund - ins Meer wann immer es geht. Mit Pocholo kommt er gut klar, der akzeptiert ihn, weil er neue Spiele erfindet (z.B. findet er eine Schnur, schnappt sie sich, und wedelt dann damit so lange vor Pocholos Nase herum, bis der am anderen Ende festhält, und dann ziehen sie hin und her über die Terrasse).
Hier seht ihr ihn, mit seiner namensgebenden Locke…
Wo Hunde sind, dürfen Katzen nicht fehlen, bei uns sind es zwei: Sombrero und Sarah:
Eines Tages, mitten im August, vor 8 Jahren, fiel mir auf, dass ich immer wieder einen Vogel im Baum vor meinem Haus schreien hörte, es klang ein wenig wie ein Papagei, aber ich konnte ihn nie sehen. Das ging einige Tage so, immer alle 15 Minuten dieser Schrei. Ich wurde immer neugieriger und stellte mich neben den Baum, um beim nächsten Mal genauer zu hören von wo der Schrei kam. Als es dann wieder soweit war, merkte ich, dass der Schrei gar nicht aus dem Baum, sondern aus einem Busch an der Klippe kam.
Beim näheren Hinschauen sah ich ein höchstens 10 cm kleines Kätzchen im Busch, dass offensichtlich nach seiner Mutter schrie. Da ich ja wusste, dass es da schon ein paar Tage bei 40 Grad im Schatten saß, wollte ich ihm Wasser geben oder es dort herausholen, aber es zog sich immer an den Rand der Klippe zurück, wo ich nicht dran kam, aber es kam auch immer wieder nach vorne, wenn ich mich entfernte.
Ich rief die Tierärztin an, die mir sagte, dass ich wohl warten müsse, bis das Kätzchen durch Flüssigkeitsmangel bewusstlos würde, dann sollte ich es sofort einsammeln und zu ihr bringen.
Gesagt, getan, am nächsten Tag gegen Mittag war es so weit, ich packte das arme Ding in einen Strohhut, und fuhr zur Tierärztin. Als ich dort eintraf, fragte mich die Helferin: “Por que me vienes con un sombrero?” (Warum kommst Du mit einem Hut?), und damit war der Name des Katers gefunden. Die Tierärztin hatte schon so eine Art Ersatzmilch präpariert und der kleine kam auch sofort zu sich und trank wie verrückt aus dem Fläschchen.
Na. ja. ich nahm ihn mit nach Hause und zog ihn mit dem Fläschchen auf, Esquit kümmerte sich um die Eerziehung, und heute ist er ein grosser, fetter Kater (9 kg), der hier ein wenig das Regime führt.
Hier seht ihr Sombrero und Esquit in trauter Zweisamkeit auf dem Sofa:
Als Esquit immer öfter nach Palma ging, wurde Sombrero richtig traurig, er fraß nicht mehr und streifte den ganzen Tag durchs Haus, offensichtlich auf Suche nach Esquit. Seit wir jetzt Locke hier haben, ist es deutlich geworden, dass es doch die Optik ist, die für ihn Bedeutung hat: Sombrero hat seine Anhänglichkeit jetzt auf Locke übertragen, und ist den ganzen Tag in seiner Nähe (Pocholo kann er nicht leiden und geht ihm aus dem Weg oder verprügelt ihn). Locke hat ihn auch lieb gewonnen und versucht immer, mit ihm zu spielen.
Ganz anders Sarah, unsere kleine Katze: Sie liebt Pocholo (legt sich auch schon mal zu ihm), betritt aber das Haus nicht mehr, seit Locke hier ist (genauso früher, wenn Esquit hier war). Wenn ich die Hunde morgens um 5:30 Uhr rauslasse, dann kommt sie zum Schmusen, bis Locke wiederkommt. Sie ist total zutraulich, ist immer bei den Hühnern (die faszinieren sie), und hat keine Angst vor Hunden oder Menschen (ganz anders Sombrero, der sich von niemandem anfassen lässt)
Tja, und da wir schon davon sprechen, ich habe auch Hühner:
Zur Zeit sind es 6 Hennen, 1 Hahn und 5 Küken. Die Eier sind klein (es sind Zwerghuhnkreuzungen, sogenannte Kikas), aber fantastisch im Geschmack, jeden Tag gibts 4 oder 5.
Der ganze Zoo wird ergänzt durch ein paar Igel und Ziegen, ausserdem Gottesanbeterinnen, Stabschrecken und ähnliches Getier.
Die Igel kommen wegen des Hundefutters, und im Winter legen sie sich bei mir vor den Kamin um sich zu wärmen, sie verschwinden dann wieder gegen Morgen, wenn der Kamin aus ist. Es ist zum Totlachen, wenn sie so in einer Reihe einmarschieren, Hunde und Katzen um sie herum mit Gebell, aber die ignorieren sie völlig:
Ziegen haben wir 4 ums Haus herum, aber eine, die sich mit Pocholo angefreundet hat, sie kommt täglich, und er jagt sie ein wenig (aber nicht heftig) durch die Gegend… :
So, jetzt ists genug der Reportage aus dem Ohlmer Kleintierzoo Mallorca, ich hoffe die Fotos gefallen Euch.
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